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Coaching-Methoden

Stopp-Start-Weiter: Ein Reflexionstool, um deine alltäglichen Handlungen zu hinterfragen

24. März 2026Aktualisiert: 11. Juni 20269 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du das: Du hast den ganzen Tag gearbeitet, Punkte von deiner To-Do-Liste abgearbeitet, und trotzdem hast du das Gefühl, nicht das Richtige getan zu haben. Oder du fragst dich, wofür du das heute eigentlich alles gemacht hast.

Genau hier setzt Stopp-Start-Weiter an: ein einfaches Werkzeug, das dein aktuelles Handeln in drei Kategorien sortiert. Du kannst es allein nutzen oder in der Begleitung durch einen Coach.

Was Stopp-Start-Weiter ist

Die Grundlage sind drei Fragen aus John Streleckys Buch „Zeit für Fragen im Café am Rande der Welt“ (2024, S. 73-74): Womit möchtest du aufhören, womit anfangen, was möchtest du weiterführen? Strelecky stellt diese Fragen, ohne sie als Methode auszuarbeiten. Daraus ist ein einfaches Reflexionstool geworden: drei Spalten, die das aktuelle Handeln sortieren.

Streleckys Grundgedanke (2024, S. 20-21): Das größte Hindernis für ein gewünschtes Leben ist, nicht zu wissen, wie es aussieht. Stopp-Start-Weiter macht zuerst sichtbar, was gerade passiert, bevor die Frage kommt, was passieren soll.

Stopp

Was darf gehen?

Was raubt dir Energie, ohne dir etwas zurückzugeben?

Start

Was darf beginnen?

Was wartet darauf, dass du es endlich anfängst?

Weiter

Was darf bleiben?

Was läuft gut und verdient deine bewusste Wertschätzung?

Diese Übersicht gibt es unten als druckbares PDF zum Mitnehmen.

Eine eigene Weiterentwicklung: das Aufgabentagebuch

Du musst die Methode nicht in einem einzigen Durchgang abschließen. Wenn du das Gefühl hast, dass dir noch Punkte fehlen, kannst du die drei Spalten über mehrere Tage immer wieder zur Hand nehmen und nach und nach befüllen.

Noch gründlicher wird es mit einem Aufgabentagebuch als Vorbereitung: Du schreibst eine Woche oder länger jede Tätigkeit auf, die du erledigst. Nicht nur die großen Projekte, sondern auch die kleinen Aufgaben, die Routinen, die Gespräche, die Ablenkungen. Jede Aufgabe bekommt eine kurze Bewertung, am einfachsten ein bis fünf Sterne.

So reflektierst du anschließend auf Basis echter Beobachtungen statt aus dem Bauch heraus. Du siehst schwarz auf weiß, wofür deine Zeit draufgeht, und erkennst Muster, die im Alltag sonst verborgen bleiben.

Das Aufgabentagebuch ist eine eigene Weiterentwicklung und kein Bestandteil von Streleckys Fragen.

So wird die Methode eingesetzt

Die Methode lässt sich problemlos allein nutzen. Im Coaching wirkt sie noch einmal anders, und das hat einen guten Grund. Wer die drei Spalten allein ausfüllt, tut das mit denselben Annahmen, die die Situation überhaupt erst geschaffen haben. Niemand sieht den eigenen blinden Fleck, solange er allein im Raum ist.

Backhausen und Thommen (2017, S. 51) nennen das die eigentliche Aufgabe des Coaches: dir zu helfen, deinen eigenen Blick auf die Situation zu hinterfragen, statt dir Antworten zu geben. Genau diesen Außenblick kannst du dir allein nicht selbst geben.

Konkret heißt das: Bei Stopp fragt der Coach nicht nur, was aufhören soll, sondern welche Funktion das Verhalten noch hat. Backhausen und Thommen sprechen vom verborgenen Gewinn des Status quo (2017, S. 112-113): Wer ein schädliches Verhalten beibehält, hat dafür einen unsichtbaren Grund, etwa Sicherheit oder die Vermeidung eines unangenehmen Gesprächs. Bei Start geht es nicht nur darum, was beginnen soll, sondern auch darum, was dich bisher am Anfangen gehindert hat. Bei Weiter um die Würdigung, die im Alltag fehlt und die viele erst auf zweite Nachfrage finden.

Eine Frage trägt im Coaching besonders weit: Gibt es eine einzige Veränderung, die gleich auf alle drei Spalten einzahlt? Stopp, Start und Weiter hängen oft zusammen. Wer zum Beispiel eine Aufgabe abgibt, beendet damit die eigene Überlastung (Stopp), gibt einem anderen Verantwortung (Start) und schützt zugleich das, was gut läuft (Weiter). Diesen einen verbindenden Schritt allein zu sehen, ist schwer. Mit einem Gegenüber fällt er meist leichter. Deshalb passt die Methode gut an den Anfang eines Coaching-Prozesses als Standortbestimmung, vor großen Entscheidungen als Sortierhilfe und nach Konflikten als Rückblick.

Mehr zum Ablauf einer Begleitung: Business Coaching.

Praxisbeispiel

Damit greifbar wird, wie sich die Methode anfühlt, hier ein Beispiel. Lena ist eine fiktive Figur, die auf diesem Blog regelmäßig auftaucht: 42, seit sechs Jahren selbstständige Architektin.

Drei Mitarbeitende, ein gut laufendes Büro. Dann ein Anruf: ein Möbelhersteller plant einen Neubau, 3,5 Millionen Euro, 18 Monate, doppelt so groß wie ihr bisher größtes Projekt. Eine befreundete Unternehmerin rät ihr, sich vorher einen halben Tag hinzusetzen und zu sortieren, wo sie steht, bevor sie entscheidet. Lena nimmt sich den Vormittag: Küchentisch, Kaffee, drei Blätter. Sie fängt mit dem schwierigsten an.

So füllt Lena ihre drei Spalten:

Stopp

Was darf gehen?

  • Jede Zeichnung selbst bis ins Detail prüfen
  • Kleinaufträge so tief wie ein Einfamilienhaus
  • Abends nach dem Essen noch einmal E-Mails

Start

Was darf beginnen?

  • Eine feste Stunde pro Woche nur für Strategie
  • Die frühere Kommilitonin anrufen (Teilzeit)
  • Klare Trennlinie zwischen Büro und Zuhause

Weiter

Was darf bleiben?

  • Persönlicher Kontakt zu Stammkunden
  • Qualität bei den Kernaufträgen
  • Freitagnachmittag bis Montag frei
  • Mitarbeitende früh Verantwortung geben

Was Lena daraus mitnimmt

Nach zwei Stunden markiert Lena pro Spalte einen Punkt für einen kleinen Schritt in den nächsten sieben Tagen. Stopp: das Handy ab 19 Uhr in die Schublade, eine Woche als Test. Start: die Kommilitonin anrufen, unverbindlich, „hast du mal eine halbe Stunde für einen Kaffee?“ Weiter: bewusst würdigen, dass das Wochenende ihr gehört, und es Matthias auch sagen.

Danach sieht Lena klarer, was Wachstum für sie heißt: nicht alles größer machen, sondern bewusst entscheiden, was sie abgibt, um das weiterzuführen, was ihr Büro ausmacht. Ob sie das Großprojekt annimmt, weiß sie noch nicht. Aber sie stellt die Frage jetzt an den richtigen Punkten.

Selbst ausprobieren

Die Selbstcoaching-Variante funktioniert ohne Coach, mit Papier und Stift. Sie braucht Zeit, Ruhe und Ehrlichkeit. Nichts davon ist selbstverständlich, aber alles ist machbar.

Vorbereitung

Sinnvoll sind mindestens 30 Minuten ungestörte Zeit. Drei Blätter Papier oder ein Blatt mit drei Spalten reichen aus. Handy im Flugmodus hilft, wenn Ablenkung sonst schnell zurückkommt. Wer es genauer haben will, führt vorher eine Woche oder einen Monat das Aufgabentagebuch (siehe oben).

Reflexionsfragen

Zur Stopp-Spalte

  • → Welche Aufgabe zehrt regelmäßig an dir, ohne dass du danach etwas Sinnvolles in der Hand hast?
  • → Was tust du nur noch aus Gewohnheit, nicht mehr aus Überzeugung?
  • → Welches Verhalten bringt dich deinem Ziel nicht näher, sondern hält dich nur beschäftigt?
  • → Was würdest du sofort streichen, wenn du wüsstest, dass niemand es dir übel nimmt?
  • → Was tust du regelmäßig, das sich währenddessen gut anfühlt, aber danach schlechter?
  • → Was hältst du aufrecht, weil du glaubst, dass andere es von dir erwarten, und was davon ist wirklich deine eigene Erwartung?
  • → Wovon merkst du erst hinterher, dass es dich mehr Energie gekostet als gebracht hat?

Zur Start-Spalte

  • → Was schiebst du seit Wochen vor dir her?
  • → Was würdest du tun, wenn du heute noch einmal ganz von vorne anfangen könntest?
  • → Welche Fähigkeit oder welches Wissen würde dich in deiner aktuellen Rolle am meisten voranbringen?
  • → Was ist der kleinste denkbare Schritt, mit dem du morgen starten könntest?
  • → Was ist die eine Sache, von der du weißt, dass du sie anfangen solltest, und tust es trotzdem nicht? Was hält dich ab?
  • → Wenn du in einem Jahr zurückschaust: Was hättest du gern angefangen?
  • → Was würde sich ändern, wenn du es einfach diese Woche beginnst, statt zu warten, bis es perfekt durchdacht ist?

Zur Weiter-Spalte

  • → Was funktioniert bereits gut?
  • → Was gibt dir Kraft?
  • → Worauf bist du stolz, auch wenn du es dir selten sagst?
  • → Was würdest du vermissen, wenn du es plötzlich nicht mehr hättest?
  • → Was ist so selbstverständlich geworden, dass du es kaum noch wahrnimmst, aber sofort merken würdest, wenn es fehlte?
  • → Wer oder was trägt dazu bei, dass das gut läuft, und weiß diese Person davon?
  • → Welcher Punkt hier überrascht dich selbst am meisten?

Priorisierung

Eine Möglichkeit: pro Spalte aufschreiben, was spontan einfällt, dann pro Spalte einen Punkt markieren, bei dem ein kleiner Schritt in den nächsten sieben Tagen machbar wirkt. Nicht zwölf Veränderungen gleichzeitig, drei kleine reichen. Für jeden der drei Punkte ein Satz: was konkret, mit welchem ersten Schritt, an welchem Tag.

Wo Stopp-Start-Weiter an Grenzen kommt

Die Methode ist stark und einfach. Aber sie hat klare Grenzen, und es lohnt sich, sie zu kennen.

Sie zeigt, wo du stehst. Sie erklärt nicht, warum.

Wenn dieselben Punkte immer wieder in deiner Stopp-Spalte auftauchen, ohne dass sich etwas ändert, ist die Methode an ihrer Grenze. Hinter dem „Ich sollte damit aufhören“ steckt oft ein Muster, das tiefer liegt als eine Gewohnheit. An dieser Stelle braucht es eine andere Frage: Was bringt mir dieses Verhalten, obwohl ich weiß, dass es mich nicht weiterbringt? Diese Frage erfordert ein Gegenüber, das nicht in das System eingebunden ist. Allein gestellt verfehlt sie meistens den Kern.

Sie kann nur das sortieren, was sichtbar ist.

Jeder sieht seine Situation durch die eigene Brille und übersieht dabei das, was außerhalb davon liegt. Backhausen und Thommen nennen das die beschränkenden Wirklichkeitskonstruktionen, in denen wir gefangen bleiben. Wer eigenständig Stopp-, Start- und Weiter-Spalten befüllt, tut das auf Basis genau dieser Brille, die das Problem schon mit erzeugt hat. Das Werkzeug klärt, was du bereits weißt. Es klärt nicht, was du noch nicht siehst.

Die Start-Spalte kann trügerisch sein.

Nicht jedes „Ich müsste mal...“ ist ein echtes Ziel. Manchmal ist es der Wunsch, der gerade gesellschaftlich erwartet wird, oder eine Idee, die sich aufregend anfühlt, aber nicht zu den eigenen Werten passt. Eine Zusatzfrage hilft: Warum genau willst du das anfangen? Für wen machst du das? Und was passiert, wenn du es nicht tust?

Die Methode misst subjektive Belastungs-Wahrnehmung, nicht Ergebnis-Realität.

Was sich auslaugend anfühlt (Beispiel Lena: operatives Mitarbeiten), kann objektiv der umsatzkritischste Anteil eines Geschäftsmodells sein. Stopp-Start-Weiter arbeitet mit subjektiver Belastungs-Bilanz, nicht mit betriebswirtschaftlicher Analyse. Wenn du mit etwas aufhörst, kann das Folgen haben, die du allein leicht übersiehst. In komplexen unternehmerischen Entscheidungen ist die Methode ein erster Schritt, nicht der einzige.

Wann ein Coaching hilft

Wenn Stopp-Start-Weiter im Selbstcoaching wiederholt am selben Punkt scheitert, wenn dieselben Themen immer wieder auftauchen, ohne dass Bewegung entsteht, oder wenn eine große Entscheidung in einem System ansteht, in dem viele andere Stakeholder mitwirken, ist ein Coach sinnvoll. Nicht weil er die Antworten hat, sondern weil er die Fragen stellt, die du dir allein nicht stellst.

Ein unverbindliches Telefonat zur Themenprüfung kann hier Klarheit bringen. 15 bis 20 Minuten, kostenfrei, kein Verkaufsgespräch. Telefonnummer und Kontaktformular auf der Kontaktseite.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zu einer normalen To-Do-Liste?

Eine To-Do-Liste sammelt, was du noch tun willst. Stopp-Start-Weiter sortiert dein bestehendes Handeln in drei Richtungen: aufhören, anfangen, beibehalten. Es bewertet, was bleibt und was geht, statt nur Neues hinzuzufügen. Der Blick geht nach innen statt nur nach vorn, und gerade die Stopp-Spalte macht sichtbar, was eine reine Aufgabenliste nie zeigt.

Downloads zum Mitnehmen

Die drei Dokumente zu dieser Methode, jeweils als PDF:

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Literaturverzeichnis

  • Strelecky, J. (2024). Zeit für Fragen im Café am Rande der Welt. dtv. (S. 20-21, 73-74)
  • Backhausen, W. & Thommen, J.-P. (2017). Coaching: Durch systemisches Denken zu innovativer Personalentwicklung. (4. Aufl.) Springer Gabler. (S. 51, 112-113)

Die Nennung einer Quelle ist keine Buchempfehlung. Falls du wissen möchtest, welche Bücher ich empfehle, schreib mir gerne.

Jan-Aiko Berends

Über den Autor

Jan-Aiko Berends

Business Coach in Friesoythe, M.Sc. Angewandte Psychologie. Sparrings- und Reflexionspartner für Führungskräfte, Teams und Selbstständige.

Kostenlos kennenlernen (15 Min)
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