Du willst etwas verändern, also setzt du dir ein Ziel und machst es ordentlich nach SMART+E. Die sechs Buchstaben stehen für:
- S = Spezifisch: Das Ziel ist klar und konkret benannt, nicht vage.
- M = Messbar: Es gibt ein Kriterium, an dem du erkennst, dass es erreicht ist.
- A = Attraktiv: Das Ziel zieht dich wirklich an, du willst es aus eigenem Antrieb.
- R = Realistisch: Es ist mit deinen Mitteln und in deiner Lage erreichbar.
- T = Terminiert: Es gibt einen klaren Zeitpunkt, bis wann es erreicht sein soll.
- E = Eigenständig: Seine Erreichung liegt in deiner Hand und hängt nicht von anderen ab.
Und trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Oft liegt das nicht an der Formulierung, sondern an einer Frage, die davor gehört: Arbeitest du überhaupt am richtigen Ziel?
Nimm den Vorsatz „100 Euro im Monat in einen Sparplan stecken“. Das klingt nach einem Ziel. Tatsächlich ist es ein einzelner Schritt, hinter dem ein viel größeres Anliegen stehen kann. Wer den Schritt scharf macht, ohne das dahinterliegende Anliegen zu kennen, optimiert vielleicht die falsche Sache.
Genau hier setzt die VMZSM-Pyramide an. Sie ordnet jedes Anliegen auf einer von fünf Ebenen ein und macht sichtbar, ob du gerade über einen konkreten Schritt sprichst oder über das, wofür der Schritt eigentlich da ist. In diesem Artikel liest du, woraus die Pyramide besteht, wie sie im Coaching eingesetzt wird, wie ein Beispiel aus der Praxis aussieht, wie du sie allein nutzen kannst und wo ihre Grenzen liegen.
Was ist die VMZSM-Pyramide?
Die VMZSM-Pyramide stellt fünf Ebenen von Zielen in ihrem Verhältnis zueinander dar. Das Kürzel steht für die fünf Ebenen von der Spitze zur Basis: Vision, Mission, Ziel, Strategie, Maßnahme.
Ganz oben steht die Vision. Sie ist das langfristige Zukunftsbild, das „Wozu“. Eine Vision ist nicht messbar und nie ganz erledigt, sie gibt Richtung und Antrieb. Darunter liegt die Mission, der grundsätzliche Auftrag oder Beitrag, mit dem man sich der Vision nähert. Auf der mittleren Ebene stehen die Ziele: konkrete, überprüfbare Zustände, die auf die Mission einzahlen. Darunter die Strategien, also der grundsätzliche Weg, über den ein Ziel erreicht wird. Und ganz unten die Maßnahmen, die einzelnen, konkreten Handlungen, die sich sofort tun lassen.

Der eigentliche Wert der Pyramide liegt darin, dass man sie in zwei Richtungen liest, mit jeweils einer Leitfrage. Nach oben fragst du: Bearbeiten wir überhaupt das Richtige? Über die Frage „und das, um was zu erreichen?“ gehst du Ebene für Ebene höher, bis das eigentliche Ziel sichtbar wird. Nach unten fragst du: Wie können wir das konkret erreichen? Vom gewählten Ziel geht es über die Strategie bis zur ersten, heute machbaren Maßnahme. Die eine Richtung prüft den Sinn, die andere führt in die Umsetzung.
Die VMZSM-Pyramide im Coaching
Im Coaching wird die Pyramide in drei Stufen genutzt. Die erste Stufe ist die Standortbestimmung. Wenn jemand ein Ziel nennt, wird zuerst geklärt, auf welcher Ebene es liegt, und über die Aufwärtsfrage so lange nachgehakt, bis das eigentliche Warum auftaucht. Dabei zeigt sich oft, dass dieselbe Aussage je nach Situation eine andere Ebene meint. „100 Euro investieren“ ist eine Maßnahme, wenn das Geld da ist und nur der Sparplan eingerichtet werden muss. Fehlt das Geld, rückt derselbe Satz eine Ebene höher und wird zum Ziel „100 Euro im Monat freibekommen“, mit einem eigenen Unterziel wie Ausgaben senken oder mehr verdienen. Der Wortlaut ist gleich, die Ebene nicht.
Fragt man weiter nach oben, wird es spannend. Wozu der Sparplan? Vielleicht, um finanziell unabhängig zu werden. Und wozu die Unabhängigkeit? Vielleicht, um aus einer sicheren Position heraus anderen helfen zu können, ohne sich selbst zu gefährden. Dann ist die finanzielle Unabhängigkeit gar nicht das Oberste, sondern ein Zwischenschritt. Und sobald das eigentliche Anliegen sichtbar ist, tun sich meist viel mehr Möglichkeiten auf, um das Ziel zu erreichen. Diese waren vorher oft verdeckt und nicht sichtbar, weil man die Scheuklappen aufhatte und nur an den Sparplan gedacht hat. Genau das ist der größte Hebel der Aufwärtsfrage: Sie öffnet den Lösungsraum.
Dabei ist es nicht nötig, immer bis zur Vision oder Mission hinaufzugehen. Wie weit man fragt, ist selbst eine Entscheidung. Oft genügt es, ein oder zwei Stufen höher zu steigen, bis der Punkt auftaucht, von dem jemand sagt: Das ist es, das will ich erreichen. Treibt man die Wozu-Frage dagegen immer weiter, landet man schnell bei sehr großen Sinnfragen und verlässt den eigentlichen Arbeitsalltag. Sinnvoll ist deshalb, für sich zu klären, ab wann die Frage nach dem Wozu genug beantwortet ist und auf welcher Ebene man am Ende arbeiten will. Manchmal ist das die Ziel-Ebene, manchmal schon eine Stufe darunter.
Die zweite Stufe ist die Entscheidung. Bewusst wird gewählt, welche Ebene jetzt bearbeitet wird. Das kann die ursprüngliche Maßnahme bleiben, das übergeordnete Ziel werden oder ein neuer Weg sein, der erst beim Nachfragen aufgetaucht ist. Erst auf der dritten Stufe kommt SMART+E ins Spiel und formuliert das gewählte Ziel scharf aus. Wichtig ist dabei: SMART+E kommt nach der Entscheidung, nicht davor, und lässt sich auf jede Ebene anwenden, auch auf eine Maßnahme. Eine Maßnahme und ein Ziel schließen sich nicht aus. Dieselbe Sache kann ein Schritt für ein höheres Ziel sein und zugleich selbst ein erreichbares Ziel, das einen kleinstmöglichen Schritt oder einen Meilenstein in Bezug auf die übergeordnete Ebene darstellt.
Was für private Finanzen gilt, gilt genauso im unternehmerischen Kontext. Für Selbstständige und Geschäftsführer ist Altersvorsorge so ein Thema. „Einen Vorsorgevertrag abschließen“ kann eine Maßnahme sein, je nach Situation aber auch selbst ein Ziel eine Ebene höher, etwa wenn erst die Mittel dafür geschaffen werden müssen. „Im Alter abgesichert sein“ liegt darüber. Wer beim Vertrag stehen bleibt, übersieht leicht, dass Firmenwert, ein späterer Verkauf, eine Immobilie oder mehrere Standbeine genauso Wege zur Absicherung sind. Diese Beispiele illustrieren die Logik der Zielebenen, sie sind kein Finanz- oder Anlagetipp.
Die Pyramide in anderen Settings
Auch außerhalb des klassischen Coachings ist die Einordnung nützlich. In der Supervision hilft sie bei der Fall-Einordnung: Spricht eine Fachkraft über einen operativen Einzelfall, also über eine Maßnahme, oder über ihre grundsätzliche Rolle und ihren Auftrag, also über Mission? Diese Unterscheidung verändert, woran in der Sitzung gearbeitet wird. In Seminaren und Trainings wiederum ist die Pyramide ein einfaches, sofort verständliches Modell, um Ziele von Maßnahmen zu trennen, was gerade in der Führungsarbeit immer wieder zu Klarheit verhilft.
Die VMZSM-Pyramide am Fallbeispiel
Lena, 42, leitet ein Team und kommt mit einem klaren Anliegen: Sie will einen Team-Workshop ansetzen. Auf den ersten Blick ein sinnvolles Ziel, das man sofort planen könnte. Im Coaching kommt zuerst die Aufwärtsfrage: Wozu der Workshop? Lenas Antwort: Das Team zieht nicht mehr an einem Strang, die Stimmung ist gekippt. Und um was geht es dir dabei eigentlich? Nach kurzem Nachdenken sagt sie, sie wünsche sich wieder echten Kontakt zu ihren Leuten und das Gefühl, als Führungskraft nah dran zu sein statt nur zu verwalten.
Damit ist klar geworden, dass der Workshop eine Maßnahme ist, nicht das Ziel. Das eigentliche Ziel liegt eine Ebene höher: die Beziehung zum Team und Lenas Rolle als Führungskraft. Und sobald das ausgesprochen ist, wird der Lösungsraum größer. Ein Workshop ist ein möglicher Weg. Genauso gut könnten regelmäßige Gespräche unter vier Augen, eine veränderte Führungsroutine im Alltag oder das offene Ansprechen des Konflikts dahin führen. Der Workshop war nur der erste Impuls, nicht zwingend der beste Weg.
Lena entscheidet sich bewusst. Sie wählt nicht den Workshop als Selbstzweck, sondern setzt sich das Ziel, in den nächsten acht Wochen wieder einen echten Draht zu jedem einzelnen Teammitglied aufzubauen. Erst dieses Ziel wird scharf gemacht: woran sie merkt, dass es erreicht ist, bis wann, und was davon in ihrer Hand liegt. Der Workshop bleibt als eine mögliche Maßnahme im Werkzeugkasten, eingebettet in ein Ziel, das Lena wirklich will.
Das Beispiel zeigt noch etwas: Das ursprünglich genannte Ziel, der Workshop, wird unter Umständen gar nicht gebraucht, um das übergeordnete Anliegen zu erreichen, das Lena vorher selbst nicht so bewusst war. Eine Maßnahme kann sich dadurch auch als überflüssig erweisen und wird bewusst verworfen, wenn sie nicht das beste Mittel für das übergeordnete Ziel ist. Hätte Lena gleich den Workshop geplant und SMART gemacht, hätte sie viel Energie in einen einzelnen Termin gesteckt und das eigentliche Anliegen womöglich verfehlt.
Die VMZSM-Pyramide allein nutzen
Du kannst die Pyramide auch ohne Begleitung anwenden. Schreib zuerst in einem Satz auf, was du genau willst. Dann ordne diesen Satz ein: Ist das ein konkreter Schritt, ein Weg dahin, ein überprüfbarer Zustand, dein grundsätzlicher Auftrag oder dein großes Zukunftsbild? Wenn du unsicher bist, hilft die Frage, ob du es direkt tun kannst oder ob dir vorher noch etwas fehlt, das du erst erreichen musst.
Nimm dir ein Anliegen, das dich gerade beschäftigt. Auf welcher Ebene liegt es: Maßnahme, Strategie, Ziel, Mission oder Vision? Geh nach oben: „Und das, um was zu erreichen?“, bis du beim Punkt ankommst, den du wirklich bearbeiten willst. Welche neuen Wege werden dabei sichtbar? Und nach unten: Was wäre der nächste, heute machbare Schritt?
Danach geh nach oben: „Und das, um was zu erreichen?“ So oft, bis du bei deinem eigentlichen Ziel ankommst, aber nicht weiter: Hör auf, sobald du den Punkt erreichst, den du wirklich bearbeiten willst, statt dich bis zu sehr großen Sinnfragen hochzufragen. Du musst die Pyramide also nicht bis ganz oben durchlaufen. Achte unterwegs darauf, welche anderen Wege auf einmal sichtbar werden. Anschließend geh nach unten: „Und wodurch konkret?“ Was wäre der nächste, heute machbare Schritt? Prüf zum Schluss die Kette: Zahlt dein Schritt wirklich auf ein Ziel ein, das du willst, oder bist du nur beschäftigt, ohne Richtung? Wenn du dich bewusst für eine Ebene entschieden hast, lohnt es sich, genau dieses Ziel scharf zu machen, ganz gleich, ob es ein großes Ziel oder ein einzelner, klar gewählter Schritt ist.
Falls du an diesem Punkt merkst, dass du allein nicht weiterkommst: Genau dafür gibt es Coaching. Nicht als Antwortgeber, sondern als Denkpartner, der nachfragt, wo du selbst zu schnell zufrieden bist.
Grenzen der Methode
Die Pyramide ordnet ein und führt zu einer bewussten Ziel-Entscheidung. Sie formuliert das Ziel aber nicht aus, dafür braucht es ein Werkzeug wie SMART+E, und sie trifft keine Entscheidung zwischen verschiedenen Sach-Optionen, dafür eignen sich Methoden wie die Skalenfrage oder die Zukunftsprojektion. Die fünf Ebenen sind außerdem nicht immer trennscharf. Gerade im persönlichen Kontext verschwimmen Mission und Vision, und nicht jedes Anliegen lässt sich sauber einsortieren.
Die Pyramide ist deshalb ein Gesprächsanker, keine starre Schublade. Sie hilft, Klarheit über die Ebene zu gewinnen, ersetzt aber nicht den Blick auf das Ganze. Weil sie hierarchisch aufgebaut ist, blendet sie Wechselwirkungen aus, etwa wenn ein Ziel mehrere Anliegen zugleich bedient. Es lohnt sich, ergänzend systemisch draufzuschauen.
Fazit
Die VMZSM-Pyramide stellt eine einfache, aber wirksame Frage an den Anfang jeder Zielarbeit: Reden wir über das, was wir wirklich erreichen wollen, oder über einen Schritt, dessen eigentliches Ziel woanders liegt? Wer zuerst nach oben fragt, arbeitet seltener am falschen Ziel und entdeckt oft Wege, die vorher gar nicht im Blick waren. Und wer dann bewusst entscheidet und das gewählte Ziel scharf macht, kommt ins Handeln, statt sich zu verzetteln.
Welches deiner aktuellen Ziele ist vielleicht in Wahrheit nur ein Schritt, und was steht eine Ebene darüber?
Downloads zum Mitnehmen
Drei Begleitmaterialien zur Methode: die Pyramide mit ihren beiden Leitfragen auf einer Seite zum Aufhängen, ein Selbstcoaching-Bogen mit allen Fragen und Platz zum Schreiben, und eine Anleitung für Coaches.
Die Methode auf einer Seite
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Die komplette Übersicht zum Aufhängen, Mitnehmen oder fürs Flipchart.
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Die VMZSM-Pyramide stammt aus der systemischen Coaching-Ausbildung. Die Anwendung als dreistufiger Prozess (Standort bestimmen, Ebene bewusst wählen, Ziel scharf machen) ist eine eigene Akzentuierung.
Auf dieser Website
- Skalierung: Wo stehst du, und was wäre ein Schritt? Den eigenen Standort sichtbar machen, wenn die Ebene geklärt ist.
- Systemisches Coaching. Wie ein Denkpartner an deinen Zielen mit dir arbeitet.

Über den Autor
Jan-Aiko Berends
Business Coach in Friesoythe, M.Sc. Angewandte Psychologie. Sparrings- und Reflexionspartner für Führungskräfte, Teams und Selbstständige. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, woran du wirklich arbeiten willst.
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